Bau im Secantsgraben ist im Zeitplan
Bei Berkau entsteht eine neue Wehranlage zur Verbesserung der Wasserstandsregulierung.
Die altmärkischen Landkreise Salzwedel und Stendal beschäftigen sich schon seit etlichen Jahren mit dem Wasserhaushalt, führen seit dem Jahr 2024 auch jährlich eine gemeinsame Wasserkonferenz mit Fachleuten und interessierten Bürgern durch. Dabei stand im Vorjahr das Thema „Wasserrückhalt in der Fläche im Vordergrund“. Dazu wurde von dem Vorhaben berichtet, im Secantsgraben, der die Grenze zwischen beiden Kreisen, bei Berkau ein neues Wehr zu errichten. Dafür laufen derzeit die Bauarbeiten, wovon sich die Landräte Steve Kanitz (Salzwedel) und Patrick Puhlmann (Stendal) kürzlich selbst einen Eindruck verschafft haben.
„Als Kinder haben wir hier gebadet“, sagte Jan Salomo zur Begrüßung. Der Berkauer ist nicht nur Anwohner der Secantsgrabenniederung, sondern hat die neue Wehranlage geplant. „Früher haben wir Holzgraben dazu gesagt, ich bin hier verwurzelt und freue mich, nun an der neuen Anlage beteiligt zu sein“, so Salomo weiter. Dazu betonte der Ingenieur der Wasser, Straßen, Tiefbau und Consulting-Gesellschaft aus Stendal, dass die alte Brücke nicht mehr funktionstüchtig war. „Gerade hier ist es aber besonders wichtig, dass Wasser zurückzuhalten, um die Wiesen feucht zu halten“, erklärte der Berkauer und bekam Zustimmung von den Vertretern des Unterhaltungsverbandes (UHV) „Milde-Biese“ und der Landnutzer.
Das besondere an der Region um den Secantsgraben bei Berkau ist, dass diese zum europäischen Vogelschutzgebiet „Milde-Niederung Altmark“ gehört. „Deshalb ist es auch wichtig, einen regulierbaren Wasserrückhalt im Niederungsgebiet zu ermöglichen“, betonte Stefan Feder. „Der Umbau der Stauanlage hat immense positive Auswirkungen auf die Wiesenflächen, da die Wasserhaltung für das Gebiet gesichert und optimiert werden kann. Diese Niedermoorflächen, welche wertvolle Lebensräume für vom Aussterben bedrohte Arten darstellen, bleiben somit erhalten. Die Altanlage war nicht mehr funktionstüchtig, so dass der Wasserrückhalt nicht mehr gewährleistet war. Es war für den Gebietsschutz somit entscheidend, die Anlage zu sanieren“, so der Umweltamtsleiter des Landkreises Stendal. Er stellte den Gästen, zu denen auch Bismarks Einheitsgemeinde-Bürgermeisterin Annegret Schwarz zählte, das ganze Bauprojekt einmal vor, ehe Jan Salomo die konkreten Planungen erläuterte.
Frank Wilke machte deutlich, dass der Bau im Zeitplan sei. „Trotz des langen Winters werden wir den geplanten Rahmen einhalten“, sagte der Geschäftsführer des ausführenden Bauunternehmens ASTKA aus Altmersleben. Die Inbetriebnahme des neuen Wehrs ist für Ende Juni geplant. Darauf freuen sich Kanitz und Puhlmann, die allen Beteiligten für ihr Engagement dankten. „Der Wasserrückhalt in dem Gebiet hat, insbesondere nach den extrem niederschlagsarmen Jahren 2018 bis 2021, oberste Priorität“, so der Stendaler Landrat.
Die Kosten der gesamten Maßnahme belaufen sich auf 850.000 Euro, davon werden 792.315 Euro durch das Land Sachsen-Anhalt gefördert. In der Förderung enthalten sind die Ingenieursleistungen, die ökologische Baubegleitung sowie die Bauleistungen.
Bereits im Jahr 2017 erfolgte Einbau von Gabionen am Berkauer Stau, da die Bohlen der alten Wehranlage aufgrund des maroden Zustandes der Anlage nicht mehr eingesetzt werden konnten. Regelmäßig waren Reparaturen und erneute Einbauarbeiten von Steinschüttungen erforderlich, da die Wasserhaltung nicht ausreichend war. Über mehrere Jahre wurden daher die Stauanlagen der in den Secantsgraben mündenden Binnengräben im Rahmen naturschutzrechtlicher Kompensationsforderungen sowie mit Unterstützung von Fördermitteln saniert.
Hintergrund
Das erste Pilotprojekt zwischen beiden Landkreisen startete 2012. In diesem wurde eine „Studie zur Erfassung des gegenwärtigen und erreichbaren ökologischen Zustandes des terrestrischen Bereichs unter besonderer Berücksichtigung der Gebietswasserbilanz und Erarbeitung von Maßnahmenvorschlägen zu ihrer Sicherung und Optimierung sowie Ableitung eines Pflegekonzeptes für ausgewählte Flächen“ erstellt. In der Folgezeit wurden immer wieder Maßnahmen aus der Studie, etwa Gestaltung von Flachwasserzonen innerhalb des Grünlandes oder Einbau von Strukturelementen im Gewässer umgesetzt.
Im weiteren Verlauf wurden auf Veranlassung unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Stendal eine Varianten-Studie zur Umgestaltung der Stauanlagen (2017) sowie eine Untersuchung zum Ausbauzustand der Stauanlagen (2019) erstellt, welche vertiefende Angaben zu den weiteren Arbeitsschritten lieferten.
Das zweite Pilotprojekt („Sicherung und Verbesserung der Lebensbedingungen der charakteristischen Arten sowie des Wasserhaushaltes im Vogelschutzgebiet Mildeniederung“) zur Bündelung aller Akteure (beide LK, UHV „Milde-Biese“, BUND), insbesondere zur praktischen Umsetzung von Entwicklungsmaßnahmen für das Schutzgebiet, wurde im März 2022 unterzeichnet.














